- von Thomas Hirsch-Hüffel

Losung zum 27.05.2012

Du aber bleibst, wie du bist, und deine Jahre nehmen kein Ende.
Psalm 102,28

Gott ist treu, durch den ihr berufen seid zur Gemeinschaft seines Sohnes Jesus Christus, unseres Herrn.
1.Korinther 1,9

Wenn Jakob gegen 8 Uhr abends in sein Hochbett kriecht, dann hat er wieder eine Geschichte vom kleinen Vamperl gehört. Der saugt die Galle aus den Menschen, und sie können sich plötzlich wieder freuen. So möchte Jakob den Tag beschließen, und dazu gehört noch etwas: Erst müssen die Socken dem Vater an den Kopf geworfen werden, beide. Der muß jedes Mal, also zweimal empört ‚Oh’ rufen und sich ducken. Dann legt Jakob sich lang hin, und das Licht muß gelöscht werden. Jetzt beten. Aber erst, wenn die Hände gefaltet sind. Gebetet wird immer das gleiche – seit 8 Jahren, nämlich:
„Wo ich gehe, wo ich stehe, bist du, lieber Gott, bei mir. Wenn ich dich auch niemals sehe, weiß ich immer, du bist hier. Amen. Wir bitten Dich auch für die ganze Verwandtschaft und Bekanntschaft und Freundschaft. Und für uns. Amen.“
Wenn bestimmte Menschen mehr Aufmerksamkeit brauchen, werden sie namentlich erwähnt: „Janek“ z.B.. Den mag Jakob sehr. Der kann schon Einrad fahren.
Jakob liebt solche Regelmäßigkeiten. Sein Tag ist angereichert durch Wiederkehrendes. Das muß genau stimmen. So findet er sich zurecht.

Kein Mensch kommt klar ohne solche Riten. Die Tasse Tee am Morgen, die zwischen Schlaf und Kampf  das reine Dasein zelebriert, 20 Minuten vielleicht. Und schon geht es. Fehlt es, kommt fast der ganze Tag ins Rutschen.

Jakob und viele Großen lieben Teetrinken und Beten oder Sinnen immer dann, wenn sie von einem Zustand in den anderen geraten. Also vorm Einschlafen, nach dem Aufwachen, vor der Reise, wenn der Tag vom Vormittag in den Nachmittag kippt, wenn die Kindheit endet oder das Leben.
Für all solche Momente gibt es Riten - kleine Riten wie das Nachtgebet oder große Riten wie eine Konfirmation. Am Schluß das Requiem, am Anfang die Taufe.

So finden sie sich zurecht.